Gemeinde St. Michael Krefeld Lindental
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Wort zum Monat

                                                         Mai


Maria, Maienkönigin, Dich will der Mai begrüßen – jetzt ist er wieder da, der Wonnemonat, in dem wir die Gottesmutter besonders verehren. Und er hat – wider Erwarten – prächtig angefangen. Die Kommunionkinder unserer Pfarrei empfangen zum ersten Mal das heilige Brot, gehen ihre ersten eigenen Schritte in die Gemeinde hinein. Blühende Bäume, zartes Grün überall, Aufbruchstimmung allerorten. Ich finde es schön, dass gerade dieser Monat Maria gewidmet ist. Maria, die Mutter, die sich dem göttlichen Plan gestellt hat, auch noch, als es unerträglich, nicht aushaltbar wurde.
Maria, die Frau, zu der wir unsere Bitten schicken, wenn wir Kerzen anzünden am Maialtar (und sonst auch). Was war das für eine Frau? Bei Kurt Marti heißt es:

dennoch
erschrak sie
am tage                               

 
 
 
 
 
 


da jesus die werkstatt
und ihre familie verließ
um im namen gottes
und mit dem feuer des täufers
ihren gesang
zu leben

und dann
ach dann
bestätigten sich
alle ängste
aufs schlimmste:
versteinert stand sie
und sprachlos
als jesus
am galgen
vergeblich
nach gott schrie

 

Was für ein Gefühl war das wohl, als der Sohn in Jerusalem verschwand und für die Mutter nur ein: „Warum habt Ihr mich gesucht? Wisst Ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein muss?“ Und dann, als der Sohn ungefähr 30 Jahre alt ist, bleibt er nicht zu Hause, sucht sich keine Frau, sondern zieht mit Freunden in die Welt hinaus und predigt. Was mag sie empfunden haben, diese einfache Frau in ihrem Gottvertrauen? Sicher Freude, wenn sie erfuhr, wie ihr Sohn den Menschen helfen konnte, vielleicht auch so etwas wie Stolz. Aber wie muss sie gelitten haben, als sie erfuhr, dass man ihrem Sohn auf den Fersen war, dass man ihn beobachtete, dass man ihn festnehmen würde – welches Schicksal würde ihn ereilen? Und als sie merkte, wie störrisch er war, wie er sich allen guten Ratschlägen widersetzte? Als er dann gefangen wurde? Sicher war sie auf dem Platz, als die Menge die Entlassung von Barabbas, dem Mörder forderte, Jesus dagegen ans Kreuz wünschte? Der Moment, als sie verstand, dass dieses Schicksal nicht mehr abwendbar wäre, Sohn Gottes hin oder her?

Lassen wir sie selbst zu Wort kommen (die Zitate sind aus dem Buch „Marias Testament“ von Colm Toibin) „Als ich das Kreuz sah, verschlug es mir den Atem – es war zu schwer… er war der Junge, den ich geboren hatte, und er war jetzt wehrloser, als er damals gewesen war…“ „die ganze Zeit hegte ich die Hoffnung, dass seine Anhänger vielleicht einen Plan ersonnen hätten…“ „aber dann begriff ich…“

Eine Mutter, die ihren Sohn durchaus nicht immer verstanden hat, die zeitweise keinen Zugang zu ihm hatte, von ihm ignoriert wurde – die aber immer versucht hat, bei ihm zu sein, wenn sie es für nötig erachtete, bei ihm, bis zum Schluss.

 

Maria, eine Frau, die sich bedingungslos eingelassen hat auf den göttlichen Plan. Ihr vertraue ich meine Wünsche an, ihrer Obhut vertraue ich „meine“ Toten, „meine“ Kranken, und alle, die Beistand brauchen an, wenn ich für sie eine Kerze entzünde. Es tut gut, die Menschen, für die ich bete, in ihren guten Händen zu wissen.

 

Edith Furtmann

 
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